Mein geliebter grauer Schaltkasten

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An der Kreuzung Eberswalder Str. / Schönhauser Allee / Kastanienallee steht ein Schaltkasten. Eine graue Kiste mit Türen. Dieses Stadtmöbel wird gerne als Litfaßsäule benutzt. Die graue Kiste hat das sehr liebgewonnen, daß sie jeden Tag neue Kleider aus Papier angezogen bekommt. Da sieht sie jeden Tag überraschend anders angezogen aus. Viele Menschen laufen da jeden Tag an dieser eckigen Litfaßsäule vorbei. Abends ist dieser Ort auch ein beliebter Treffpunkt. Dort wartet man gerne auf seine Verabredung. Auch der Verkäufer von Stadtmagazinen ist dort jede zweite Woche anzutreffen. Die mitgebrachten Zeitschriften sind schnell verkauft. Man kommt an der grauen Kiste mit dem Papierkleid nicht vorbei. Hinter dem Schaltkasten befinden sich Absperrungen. Diese sichern die Fußgänger vor dem Autoverkehr. Das macht die Ecke auch beliebt für Werbefirmen. Die stellen sich den Fußgängern in den Weg und wollen ihre Quote schaffen. Fuchteln gerne mit den Armen oder rennen mit einem Gesichtsausdruck des Opfer findens auf einen zu. Viele sind deswegen von dieser Situation genervt und laufen große Bögen um die Werber.
Interessant ist auch und das zeigt das Foto, ein mal in der Woche sieht der Schaltkasten gar nicht schön aus. Irgendwer reißt dem Kasten die bunten Papierkleider vom Leib. Irgendwer muss sich daran ergötzen, die Papierkleider dem Kasten herunter zu reißen… Das findet niemand schön. Oder ist da etwa ein Künstler unterwegs und betreibt Ripografie? Ich weiß es nicht. Wenn ich den treffe, der das tut, frage ich ihn, warum er es tut.

Dieser Text wurde auf einem Mobiltelfon mit berührungsempfindlichem Bildschirm geschrieben.