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Berlin – LIEBIGSTR. 14: Pressemitteilung zur Räumung Liebigstr.14

Die Bewohner der Liebigstr. 14, einem der letzten Hausprojekte Berlins aus Anfang der 90er Jahre, teilen mit das ihnen zum 02.02.2011 um 8:00 Uhr ein Räumungsbefehl zugegangen ist.

MEGASPREE erklärt hierzu: Linke Hausprojekte sind ein wichtiger und für Berlin authentischer Teil soziokultureller Ausprägung und Struktur. Hausprojekte sind ein Ausdruck alternativer Lebensvorstellungen und Hort kreativen Potenzials. Das „Platt machen“ derartiger Projekte, die z.B. durch Kulturangebote, kostengünstigen Volxküchen (Vokü) und direkter politischer Auseinandersetzung ein wichtiges Scharnier zu linken Jugendkulturen darstellen, kann und darf nicht hingenommen werden.

Es gibt derzeit ein bedauerliches Manko im Baurecht. Für Relikte kultureller Leistungen aus der Vergangenheit, z.B. für eine Jugendstil-Fassade, gibt es eher einen Bestandsschutz als für kulturelle Einrichtungen der Gegenwart. Eine Stadt lebt jedoch nicht nur von den Fassaden und überlieferten Kunstwerken aus der Vergangenheit, sondern von der heute gelebten Kultur. Wird diese aus der Stadtmitte verdrängt, verödet dieselbe und verliert jenen Charme und jenes Flair, die sie sowohl für Bewohner als auch für Touristen attraktiv machen. Berlin muss auch in seiner Mitte bunt und vielfältig bleiben. Der Innenstadtbereich muss Platz für alle sozialen Milieus bieten und darf nicht nur dem Grau des Betons, dem Diktat des Kapitals oder gar dem Braun der politisch ewig Gestrigen preisgegeben werden. Wir stimmen mit dem Bezirksamt darin überein, dass durch die Räumung ein sozialer Konflikt geschürt würde, der sich nicht polizeilich lösen lässt.

Das Plenum vom Solidarischen Aktionsbündnis MEGASPREE hierzu: „Die Liebigstr.14, als über die Stadtgrenzen hinweg bekanntes Hausprojekt aus der subkulturellen Szene Berlins, ist nicht einfach nur ein Streitobjekt um Immobiliengewinne. Die Liebigstr.14 ist Ausdruck linker Jugendkultur, die es auch angesichts eines populär-politischen respektive populistisch-politischen Rechtsrucks in der Gesellschaft unbedingt zu erhalten gilt. Jetzt sind Politik, Verwaltung und die Exekutive (bis hin zu den zur Räumung eingesetzten Polizei-Zugführern) gefragt, Zivilcourage zu beweisen und sich der Räumung entgegenzustellen bzw. zu verweigern. Bei der geplanten und nicht durchgeführten Räumung des Bethanien im Jahre 2005 wurde bewiesen, das die Polizei eigenen Handlungsspielraum hat.“

MEGASPREE ruft die beteiligten Parteien (einschließlich der aktuellen Mieter) zur Besonnenheit auf und fordert im Besonderen: – die Aussetzung der Räumung auf unbestimmte Zeit – die Realisierung des lange geforderten „Runden Tisch Liebigstraße“ – den Erhalt der Liebigstr. 14 als Hausprojekt

Allgemeine News: http://liebig14.blogsport.de/
Informationen zum Hausprojekt: http://liebig14.blogsport.de/das-haus/
Informationen zum Räumungstermin:
http://liebig14.blogsport.de/2011/01/11/raeumungstermin-fuer-liebig-14/
Offener Brief an die Hauseigentümer:
http://blog.halina-wawzyniak.de/wp-content/uploads/2010/01/Offener-Brief-wg.-Liebig-Str..pdf

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